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Das Haus ihrer Eltern
spielte eine bedeutende Rolle im Kunst- und Musikleben Wiens zur
Jahrhundertwende. Ihr Vater, Karl Wittgenstein, zählte zu den wichtigsten
Förderern der Wiener Sezession.
Paul Engelmann, ein Schüler und Mitarbeiter von Adolf Loos,
der mit Ludwig Wittgenstein seit 1916 über Vermittlung von Loos befreundet war,
hatte für den Bruder Paul Wittgenstein im Stadthaus verschiedene Räume
eingerichtet. Margarethe beauftragte ihn mit dem Entwurf ihres Hauses und hat
sicherlich die Charakteristik und das Raumprogramm ihrem Lebensstil
entsprechend mitbestimmt. Engelmann zeichnete im Frühjahr 1926 eine Reihe von Entwürfen.
Ludwig Wittgenstein, der zu dieser Zeit Lehrer in Otterthal/Niederösterreich
war, zeigte von Beginn an reges Interesse an der Planung und wurde im Herbst
1926 von seiner Schwester als Architekt beigezogen.
Der Bau für seine Schwester gab ihm nun die Gelegenheit,
sein geistiges und ethisches Konzept in der Gestaltung einer sehr konkreten und
komplexen Aufgabe zu verwirklichen. Engelmann hatte wohl das räumliche Gerüst
festgelegt. Wittgenstein aber präzisierte in zweijähriger, fanatischer Arbeit
diesen Entwurf in den Proportionen und in den Details zur höchsten Klarheit und
Akkuratesse und schuf damit ein einzigartiges, kulturgeschichtliches Dokument.
Hermine Wittgenstein berichtet in ihren „Familienerinnerungen": „Ludwig
zeichnete jedes Fenster, jede Tür, jeden Riegel der Fenster, jeden Heizkörper
mit einer Genauigkeit, als wären es Präzisionsinstrumente, und in den edelsten
Maßen, und er setzte dann mit seiner kompromisslosen Energie durch, dass die
Dinge auch mit der gleichen Genauigkeit ausgeführt wurden." Speziell die
Ausführung der eisernen Türen und Fenster stellte außergewöhnliche technische
Anforderungen. Erst nach mehreren Versuchen mit Modellen war schließlich ein
Unternehmen imstande, die hohen Türen mit den extrem schlanken Rahmen und Sprossen
in der geplanten Form und mit der nötigen Festigkeit herzustellen. Wittgenstein
arbeitete hier mit einem Material und mit einer Exaktheit, die ihm vom
Maschinenbau her geläufig waren. Und er verwandelte mit seinem empfindlichen
Sinn für Proportion, Klarheit und sinnvolle Einfachheit die baulichen Elemente
und Details zu Formen, die nicht weiter reduzierbar erscheinen. Ende 1928 wurde
das Haus bezogen. Margarethe Stonborough richtete die Räume mit französischen
und chinesischen Möbeln, mit Stücken aus der Wiener Werkstätte und aus ihrer
umfangreichen Kunstsammlung ein. Während des Krieges, als sie sich in Amerika
aufhielt, und das Mobiliar ausgelagert war, wurde das Haus vom Roten Kreuz als
Heereslazarett benutzt, später als Heimkehrerstelle. Margarethe Stonborough
bewohnte dann ab 1947 das Haus wieder bis zu ihrem Tode, 1958. Ihr Sohn, Dr.
Thomas Stonborough, erbte das Haus und verkaufte dann 1971 das Grundstück an
den Bauunternehmer Dipl.-Ing. Franz Katlein. Auf dessen Anregung nahm der
Gemeinderat eine Umwidmung vor, so dass an der Stelle des Wohnhauses die
Errichtung eines Hotelhochhauses möglich wurde. Der schöne alte Baumbestand
wurde abgeholzt und im August erging der Bescheid der Baupolizei zur
Genehmigung der Abtragung sämtlicher Gebäude und Einfriedungsmauern auf dem
Anwesen.
Die Initiativen der Zentralvereinigung der Architekten, der
Österreichischen Gesellschaft für Architektur und insbesondere von Prof.
Friedrich Kurrent, die von Protesten aus aller Welt unterstützt wurden, verhinderten
die Zerstörung faktisch in letzter Minute. Das Wittgenstein-Haus wurde unter
Denkmalschutz gestellt.
Der entscheidende Schritt zur Aktivierung des leerstehenden,
als Spekulationsobjekt nicht mehr verwertbaren Hauses geschah Ende 1975.
Die Botschaft der Republik Bulgarien erwarb das Gebäude und
gab ihm eine neue, adäquate Nutzung als Kulturhaus. Der Bau wurde gründlich
renoviert, wobei man für die neue Nutzung einige Veränderungen sowie
umfangreiche Erweiterungen im Souterrain vornahm. Hier entstand ein großer Veranstaltungssaal.
Das Erdgeschoß wurde für Ausstellungszwecke adaptiert, wofür es sich bei
vielfältigen Anlässen seither als außerordentlich geeignet erwies. Aus einem
exklusiven Wohnpalais wurde ein offenes Haus der Kultur und Wissenschaft und
nicht zuletzt ein Fixpunkt im Besichtigungsprogramm von architektur- und
philosophiebegeisterten Besuchern aus dem In- und Ausland.
Fotos zur Geschichte finden sie
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